Grundlagen des Konzerns
Geschäftsmodell des Konzerns Zusammenfassung
Grundlagen
Die Flughafen München GmbH (im Folgenden FMG) hat ihren Sitz in München. Als Konzernobergesellschaft des Flughafen München Konzerns (im Folgenden Flughafen München) betreibt sie den Verkehrsflughafen München.
Der Flughafen München ist in den Geschäftsfeldern Aviation, Commercial Activities, Real Estate sowie Participations, Services & External Business tätig. Das Leistungsprofil des Konzerns deckt nahezu alle am Flughafen-Campus verfügbaren Leistungen ab – vom Flugbetrieb über die Passagierabfertigung bis zum Einzelhandel, zum Hotelgewerbe und zur Gastronomie. Dieses integrierte Geschäftsmodell und seine Wertschöpfungstiefe unterscheiden den Flughafen München von vielen internationalen Wettbewerbern.
Der Flughafen München bekennt sich zu einer nachhaltigen Unternehmenspolitik. Die Orientierung an ökonomischen, ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Zielen sichert die Akzeptanz des Flughafens und ermöglicht seine Weiterentwicklung.
Grundzüge der Leitung und Kontrolle
Gesellschafter der FMG sind der Freistaat Bayern mit 51,0 %, die Bundesrepublik Deutschland mit 26,0 % und die Landeshauptstadt München mit 23,0 %.
Gemäß § 5 des Gesellschaftsvertrags der FMG sind deren Organe die Geschäftsführung, der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung.
Geschäftsführung
Die Mitglieder der Geschäftsführung der FMG sind in der Regel für fünf Jahre bestellt. Eine erneute Bestellung ist zulässig. Die Geschäftsführung besteht aus drei Mitgliedern (einschließlich des Vorsitzenden der Geschäftsführung), vertritt die FMG nach außen und trägt die Verantwortung für die Unternehmenspolitik und die strategische Ausrichtung des Flughafens München.
Die Geschäftsführung der FMG erhält ein Festgehalt und eine erfolgsabhängige Vergütung mit kurz- und mittelfristiger Anreizsetzung (Tantieme). Die Tantieme ist vor allem an das Ergebnis vor Ertragsteuern gebunden.
Aufsichtsrat
Die FMG verfügt über einen Aufsichtsrat nach § 1 Abs. 1 und § 6 des Mitbestimmungsgesetzes. Der Aufsichtsrat übt Kontroll- und Mitbestimmungsrechte aus. Er bestellt die Mitglieder der Geschäftsführung und legt deren Vergütung fest. Auch Geschäfte, die bestimmte Wertgrenzen oder Laufzeiten überschreiten, bedürfen der Zustimmung des Aufsichtsrats. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat werden im fünfjährigen Turnus von der Belegschaft des Flughafens München gewählt. Die Gesellschaftervertreter werden durch die Gesellschafterversammlung ernannt. Die Amtszeit der Aufsichtsratsmitglieder endet mit der Gesellschafterversammlung, die über die Entlastung für das vierte Geschäftsjahr nach Amtszeitbeginn beschließt; die aktuelle Periode endet voraussichtlich im Juni 2029.
Der Aufsichtsrat hat einen Vorschlags-, einen Arbeits- und einen Personalausschuss bestellt und diese unter anderem mit den folgenden Aufgaben betraut:
Vorschlagsausschuss | Wahrnehmung der Aufgaben gemäß § 31 Abs. 3 des Mitbestimmungsgesetzes |
Arbeitsausschuss | Stellungnahme zu Beschlussvorlagen, die der Zustimmung des Aufsichtsrats bedürfen; Zustimmung anstelle des Aufsichtsrats zu bestimmten Rechtsgeschäften, die festgelegte Wertgrenzen oder Laufzeiten überschreiten |
Personalausschuss | Gestaltung der Verträge der Geschäftsführung mit Ausnahme der Vergütung, der Generalbevollmächtigten und der Prokuristinnen und Prokuristen; Zustimmung zur Festlegung und Änderung der Vergütungsregeln im außertariflichen Bereich, zur Einstellung oder Änderung der Gehaltsstufe bestimmter Angestellter sowie zur Einführung oder Änderung betrieblicher Vorsorgeleistungen |
Gesellschafterversammlung
Oberstes Kontroll- und Entscheidungsgremium ist die Gesellschafterversammlung. Zentrale Entscheidungen über die geschäftlichen und wirtschaftlichen Grundlagen des Konzerns (unter anderem zum Flughafenausbau oder zur Aufnahme von Darlehen) bedürfen einer einstimmigen Beschlussfassung.
Konzernerklärung zur Unternehmensführung – Angaben zur Frauenquote
Im Sinne einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern legen Aufsichtsrat und Geschäftsführung der FMG Zielgrößen und Fristen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Geschäftsführung sowie den ersten beiden Leitungsebenen fest.
Für den Frauenanteil im Aufsichtsrat wurde eine Quote von 25 % bis zum 30. Juni 2029 festgelegt. Die Besetzung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erfolgt durch Wahl, die Vertreter der Anteilseigner werden vorwiegend funktionsgebunden benannt. Insofern ist die Möglichkeit zur direkten Beeinflussung des Frauenanteils im Aufsichtsrat eingeschränkt.
Für die Geschäftsführung wurde eine Zielgröße von 33 % bis zum 30. Juni 2029 festgelegt.
Die beschlossenen Zielgrößen bis zum 30. Juni 2029 sehen für den Frauenanteil in der ersten Führungsebene 30 % und in der zweithöchsten Führungsebene 35 % vor.
Geschäftstätigkeit
Organisationsstruktur
Die Organisationsstruktur des Flughafens München gliedert sich in die Geschäfts-, Service- und Konzernbereiche der FMG. Die Steuerung sowie das interne Berichtswesen der Geschäftsfelder erfolgt in erster Linie über die Konzernsteuerung der FMG. Die in der Abbildung dargestellten Geschäftsfelder umfassen die Geschäfts- und Servicebereiche der FMG und die in die Geschäftsfelder eingebundenen Konzerngesellschaften. Die Geschäftsfelder werden in den nachfolgenden Kapiteln erläutert.
Geschäfts-, Service- und Konzernbereiche der FMG (Stand 31. Dezember 2025)
Die Munich Airport International GmbH ist mit 100 % an der Munich Airport US Holding LLC, mit 100 % an der amd.sigma strategic airport development GmbH und mit 50 % an der ORAT AMS Group V.O.F. beteiligt. Die Munich Airport US Holding LLC ist wiederum mit 100 % an der Munich Airport NJ LLC beteiligt.
Mit Wirkung zum 2. Januar 2025 wurden 74,9 % der Anteile an der Cargogate Munich Airport GmbH, Hallbergmoos, veräußert. Zudem wurden mit Wirkung zum 1. April 2025 die vollständigen Anteile an der aerogate München Gesellschaft für Luftverkehrsabfertigungen mbH, Oberding, verkauft. Eine detaillierte Übersicht der Anteilsverhältnisse ist im Konzernanhang dargestellt.
Zum 31. Dezember 2025 gehören dem Konzern neben der Muttergesellschaft insgesamt zwölf vollkonsolidierte Unternehmen, zwei assoziierte Unternehmen, eine Joint Operation und zwei nicht-konsolidierte Unternehmen an.
Geschäftsfeld Luftverkehr (Aviation)
Infrastruktur für Airlines und Fluggäste
Das Geschäftsfeld Aviation umfasst den Betrieb der Luftverkehrsinfrastruktur des Flughafens München.
Der Flughafen München betreibt zwei Start- und Landebahnen mit einer maximalen Kapazität von 90 Flugbewegungen pro Stunde im Tagesbetrieb bei Normalauslastung. Zwischen 22 und 6 Uhr ist der Flugbetrieb nur in stark eingeschränktem Umfang und nur mit besonders lärmarmem Fluggerät zulässig. In der Zeit von 0 bis 5 Uhr sind außer Not- und Hilfeleistungsflügen, aus Flugsicherheitsgründen sowie in begründeten Ausnahmefällen, die das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr als zuständige Behörde bewilligt, keine Flüge möglich.
Der Aviation-Bereich der FMG verantwortet den Betrieb des Terminals 1 am Flughafen München, während das Terminal 2 von der Terminal 2 Gesellschaft mbH & Co oHG, Oberding – in einer Partnerschaft zwischen der FMG und der Deutschen Lufthansa AG (im Folgenden Deutsche Lufthansa oder Lufthansa) – betrieben wird. In beiden Terminals wird die Ausstattung nach Bedarf kontinuierlich optimiert und erweitert.
Der T1-Pier am Terminal 1 soll weiteres Wachstum ermöglichen und zukünftige Anforderungen an effiziente Sicherheitskontrollen und Terminalinfrastrukturen erfüllen, um den Status des Flughafens München als Premiumdrehkreuz mit entsprechender Aufenthaltsqualität weiter sicherzustellen und zu verbessern. Die Inbetriebnahme erfolgte nach einen Probebetrieb und gemäß operativen Belangen im April 2026.
Für die Bereitstellung und den Betrieb seiner Luftverkehrsanlagen erhebt der Flughafen München diverse Entgelte. Die im Geschäftsjahr 2021 in Kraft getretene Entgeltrahmenvereinbarung (ERV) regelt grundsätzlich die Entwicklung der Luftverkehrsentgelte bis einschließlich 2030 und stellt die Refinanzierung der Infrastruktur in einem festgelegten Umfang sicher. 2025 gab es gemäß ERV eine durchschnittliche Entgelterhöhung von 5,2 %.
Durch seine zentrale Lage in Europa inmitten der Metropolregion München, die sich als Innovations-, Wissens- und Wirtschaftsstandort mit einer breit aufgestellten Branchenstruktur auszeichnet, ist der Flughafen München strategisch bestens positioniert. Im Prognos Zukunftsatlas 2025 liegt München in der Gesamtwertung auf Rang 3, der Stadt München und dem Landkreis München werden von Prognos »beste Zukunftschancen« vorhergesagt.1) Während der internationale Drehkreuzverkehr bereits im Sommer 2022 zurückkehrte, manifestiert sich die Erholung des Luftverkehrs nun auch in den anderen Verkehrssegmenten. Bremsend wirkt dagegen der innerdeutsche Verkehr, den hohe Standortkosten insbesondere die dort überproportional stark wirkende Luftverkehrsteuer bei reduziertem Angebot hemmen; dies führt zu einem reduzierten Angebot. Die demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Bayern und vor allem im Flughafeneinzugsgebiet lassen mittel- bis langfristig eine weitere Zunahme der Verkehrsnachfrage am Flughafen München erwarten. Weitere Erläuterungen hierzu sind im Abschnitt »Wirtschaftliches Umfeld« zu finden.
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Lufthansa hat sich der Flughafen München über die Jahre hinweg zu einem bedeutenden internationalen Luftverkehrsdrehkreuz entwickelt. Gemeinschaftlich getragene Ausbaumaßnahmen wie das Terminal 2 und das Satellitengebäude sowie die laufende Stationierung der Lufthansa-Airbus A350-Langstreckenflotte in München sind Fundamente einer nachhaltigen Partnerschaft, die für langfristiges Wachstum steht. Im Sommerflugplan 2025 waren 35 Langstreckenflugzeuge des Lufthansa-Konzerns in München stationiert (Vorjahr: 32).
Aufgrund seiner vielversprechenden Marktposition und der erfolgreichen Kooperation mit der Lufthansa verfügte der Flughafen München, gemessen an der Zahl der Flugziele, über eines der dichtesten Netze kontinentaler Verbindungen in Europa.
Die Kombination aus einem dichten Netz an innerdeutschen sowie innereuropäischen Zubringern und einer starken lokalen Nachfrage ermöglicht es dem Flughafen München, ein attraktives Portfolio an Langstreckenflügen anzubieten. Aufgrund der touristischen Attraktivität des Standorts sowie des wachsenden Einzugsgebiets mit einer einkommensstarken Bevölkerung ist der Flughafen München auch für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen interessant.
Die sehr hohen Standortkosten in Deutschland sowie protektionistische Maßnahmen – allen voran fehlende Verkehrsrechte – hemmen jedoch weiterhin das marktgerechte Wachstum am Flughafen München.
Das Frachtgeschäft am Flughafen München ist stark von der Entwicklung des Passagierverkehrs abhängig. Der Grund dafür ist, dass am Flughafen München im Regelfall der größte Teil der Luftfracht – im Berichtsjahr 2025 waren es 89 % – als Beiladefracht auf Passagierflügen, vor allem auf der Langstrecke, transportiert wird. Weltweit liegt der Anteil der Beiladefracht am Luftfrachtaufkommen dagegen nur bei gut 55 %.2)
Geschäftsfeld Commercial Activities
Kundenspezifische Services und Angebote entlang des Passagierwegs
Das Geschäftsfeld Commercial Activities ist für die Entwicklung, Vermarktung und Verwaltung aller kommerziell nutzbaren Flächen des Flughafens München verantwortlich.
Dazu zählt das Angebot von nachfrageorientierten Parkraumkapazitäten. Derzeit stehen rund 36.700 Stellplätze zur Verfügung, davon sind rund 20.900 terminalnah. Das Produktportfolio umfasst neben dem klassischen Passagierparken auch das Mietwagengeschäft, Premiumparken und Mieterparken sowie landseitige Transferbetriebe.
Darüber hinaus erfolgt im Geschäftsfeld Commercial Activities sowohl die strategische Planung des Branchenmixes in Bezug auf Einzelhandels-, Service- und Gastronomieflächen als auch die Vermietung und die Konzessionsvergabe an Dritte und Konzerngesellschaften.
Der Flughafen München unterhält rund 18.700 m² gastronomische Flächen (Vorjahr: 19.300 m²) und etwa 21.000 m² Einzelhandels- und Serviceflächen (Vorjahr: 19.700 m²). Auf rund 74 % der Gesamtfläche betreiben Tochtergesellschaften der FMG eigene Einzelhandels- oder Gastronomiebetriebe.
Auch das Fünf-Sterne-Hotel im Zentralbereich des Flughafens München zählt zum Verantwortungsbereich von Commercial Activities. Es verfügt über 550 Zimmer und 30 Tagungsräume.
Commercial Activities vermarktet darüber hinaus die Werbeträger und Werbeflächen des Flughafens München. Aufmerksamkeitsstarke Werbeflächen mit wenig Streuverlust und individuellen Inszenierungsmöglichkeiten kennzeichnen das Angebot der sogenannten Out-of-Home-Werbung am Flughafen München.
Zum Leistungsportfolio des Geschäftsfelds zählt außerdem das Eventgeschäft.
Geschäftsfeld Real Estate
Immobilienstandort mit hoher Attraktivität
Das Geschäftsfeld Real Estate entwickelt, betreibt und vermarktet alle Immobilien und Grundstücke des Flughafens München, sowohl on- als auch off-Campus. Der Immobilienstandort ist in lagespezifische Areale aufgeteilt, die unter dem Begriff AirSite vermarktet werden. Als Immobilienstandort bietet der Flughafen München ein attraktives Umfeld, eine gute Straßenverkehrsanbindung, umfangreiche Parkmöglichkeiten und ein umfassendes Sortiment an Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs.
Entsprechend den hohen Ansprüchen an das Gesamtareal wurde ein städtebauliches Konzept entwickelt, das kontinuierlich fortgeschrieben wird, bereits mit ersten Hochbauten in der Umsetzung sichtbar und teilweise auch schon in Betrieb ist.
Geschäftsfeld Participations, Services & External Business
Participations & External Business: Full-Service-Provider
Die übrigen Gesellschaften des Konzerns runden das Angebot des Flughafens München ab. Die wesentlichsten Tochtergesellschaften sind:
AeroGround | Die AeroGround Flughafen München GmbH (AE) erbringt Bodenabfertigungsleistungen für Fluggesellschaften am Standort. Die wichtigsten Tätigkeitsfelder sind die vorfeldseitige Flugzeug- und Gepäckabfertigung, Transportdienstleistungen für Passagiere und Crews, die Bedienung der Einrichtungen der zentralen Infrastruktur des Flughafens sowie Abfertigungsleistungen im Bereich der allgemeinen Luftfahrt. |
MAI | Die Munich Airport International GmbH und deren Beteiligungen bieten weltweit Management-, Beratungs- und Schulungsdienstleistungen für die Luftfahrtbranche an. |
Services: Energie, IT und Digitales für alle Mieterinnen und Mieter am Flughafen
Neben den Geschäftsbereichen und Tochtergesellschaften sind auch die Servicebereiche am Außenumsatz beteiligt. Den bedeutendsten Beitrag leisten die folgenden Servicebereiche:
Technik | Der Servicebereich ist für den sicheren und wirtschaftlichen technischen Betrieb der Flughafeninfrastruktur verantwortlich. Dazu zählen unter anderem die Energieversorgung, die Instandhaltung von Gebäuden und flughafenspezifischen Anlagen sowie das Fahrzeugmanagement. Zudem ist dieser Bereich mit der Energieversorgung, den Energieeinsparmaßnahmen und dem Energiemanagement maßgeblich an der Umsetzung der CO₂-Strategie des Flughafens München beteiligt. |
IT & Digitales | Der Servicebereich ist der zentrale IT-Provider des Flughafens München. Er bietet moderne, zuverlässige und integrierte Lösungen für einen zunehmend prozess- und datengestützten Flughafenbetrieb an. Das IT-Serviceportfolio umfasst verschiedene Dienstleistungen aus der Medien- und Kommunikationstechnik, der IT-Arbeitsplatzausstattung sowie der Server-, Datenbank- und Speicher-Systemtechnik. Die Kernkompetenzen des Bereichs liegen in der Integration unterschiedlicher, technischer IT-Plattformen sowie in der Vorhaltung maßgeschneiderter systemtechnischer Lösungen zur Unterstützung logistischer Prozesse am Flughafen München. Im Rahmen der digitalen Transformation unterstützt der Servicebereich IT aktiv Veränderungsprozesse zur Fort- oder Neuentwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Immer mehr an Bedeutung gewinnen dabei die Beachtung sicherheits- und datenschutzrechtlicher Vorgaben sowie die Einhaltung konzernweiter, einheitlicher Standards. |
Die Aktivitäten im Geschäftsfeld Participations, Services & External Business (ohne Abfertigungsdienste) tragen einen geringen Anteil zum Außenumsatz des Flughafens München bei, daher wird auf eine ausführliche Erläuterung im Abschnitt »Wirtschaftliches Umfeld« verzichtet. Die Entwicklung der Abfertigungsdienstleistungen im Konzern wurden in den Passagen zum »Geschäftsverlauf Aviation« aufgenommen.
Steuerungssystem und Wertemanagement Zusammenfassung
Der Flughafen München misst die Leistung seiner Führungskräfte mithilfe bedeutsamer finanzieller und nicht finanzieller Kennzahlen. Das Ergebnis vor Steuern (Earnings before Taxes – EBT) deckt die finanzielle Perspektive ab. Als nicht finanzielle Kennzahlen werden die CO₂-Einsparungen, der Passagiererlebnisindex (PEI) und die Unfallhäufigkeitsrate (Lost Time Incident Frequency = LTIF) betrachtet.
Ergebnis vor Steuern (EBT)
Die Ergebnisziele der Führungskräfte werden auf Basis des EBT formuliert.
Das EBT ist die Ausgangsgröße zur Bestimmung der Ertragskraft. Es handelt sich um das Konzernergebnis vor Ertragsteuern, ermittelt unter Anwendung der Internationalen Rechnungslegungsstandards in ihrer durch die Europäische Kommission in europäisches Recht übernommenen Fassung.
CO₂-Einsparungen
Der Flughafen München hat sich 2023 das Klimaziel »Netto-Null-Emissionen« gesetzt, das heißt, dass der Betrieb des Flughafens ab 2035 kein CO₂ mehr in der Atmosphäre hinterlassen soll. Dazu sind Emissionen, die der Flughafen selbst beeinflussen kann (Scope 1 und 2), um mindestens 90 % gegenüber 2016 zu reduzieren. Die verbleibenden 10 % sollen durch noch auszuwählende Projekte aktiv und dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt werden (sogenanntes Removal). Als Beitrag zum Ziel der europäischen Luftfahrt zur Erreichung von Net Zero bis zum Jahr 2050 werden zudem am Campus ansässige Unternehmen und Kunden (insbesondere Fluggesellschaften) aktiv mit Maßnahmen unterstützt, ihre CO₂-Emissionen zu senken. Dies entspricht der Reduzierung der Scope-3-Emissionen des Flughafens München.
In die Betrachtung der Strategie fließen die durch Energiebereitstellung und Kraftstoffverbrauch vom Flughafen München selbst verursachten Emissionen (Scope 1) und die Emissionen aus der zugekauften Energie (Scope 2) ein. Mit der Kennzahl »CO₂-Einsparungen« misst der Flughafen München die Reduktion der Emissionen, die er durch die Umsetzung von CO₂-Einsparmaßnahmen erreicht, zum Beispiel durch den Wechsel auf hocheffiziente Antriebe. Aus dieser eingesparten Menge an Energie (Strom, Wärme, Kälte, Kraftstoff) resultiert eine Minderung der CO₂-Emissionen für die darauffolgenden Jahre. Faktoren wie die Schonung von Ressourcen oder der effiziente Einsatz von Energie lassen sich so berücksichtigen. Je nach Datengrundlage werden die Einsparungen auf Basis von Messungen, Produktdatenblättern oder Leistungsangaben auf Typenschildern ermittelt und in der CO₂-Datenbank dokumentiert. In Ausnahmefällen wird auf Erfahrungswerte vergleichbarer, bereits abgeschlossener und verifizierter Maßnahmen zurückgegriffen. Die ermittelten Einsparungen werden auf ein gesamtes Geschäftsjahr hochgerechnet.
Um die Prognose- und die erreichten Zielwerte besser vergleichen zu können, verwendet der Flughafen München den Emissionsfaktor des Umweltbundesamts, der zu Beginn des jeweiligen Berichtsjahres verfügbar ist.
Passagiererlebnisindex (PEI)
Der PEI ist ein Messmodell für die Kundenzufriedenheit, das es dem Flughafen München erlaubt, standortspezifische, an die Bedürfnisse der Zielgruppen angepasste Zielwerte abzuleiten und die Handlungsfelder zur Leistungsverbesserung den vorhandenen Kundenkontaktpunkten zuzuweisen. Aus Gründen der Objektivität ermittelt ein unabhängiger, externer Dienstleister diese Werte. Er erhebt in Primärbefragungen regelmäßig während des gesamten Jahresverlaufs die Zufriedenheit von abfliegenden und ankommenden Fluggästen. Auf Monatsbasis und am Jahresende erhält der Flughafen München so zahlreiche Detailinformationen über die Zufriedenheit seiner Flugreisenden entlang der Passagiererlebniskette. Eine zentrale Kennzahl resultiert aus der Frage zur Gesamtzufriedenheit, die sowohl bei abfliegenden als auch ankommenden Reisenden ermittelt wird und die die Grundlage für die Zieldefinition ist.
Unfallhäufigkeitsrate (Lost Time Incident Frequency – LTIF)
Die LTIF stellt eine benchmarkfähige Unfallhäufigkeitsrate dar. Sie setzt die Anzahl der Arbeitsunfälle in Relation zu den geleisteten Arbeitsstunden. Zur Ermittlung der LTIF zählen ausschließlich Arbeitsunfälle mit einer Ausfallzeit ab einem Tag. Wegeunfälle von und zur Arbeitsstätte werden nicht berücksichtigt. Die Kennzahl wird für die beiden nach der Personalstärke größten Konzernunternehmen (FMG und AE) erhoben.
Die Steuerungsintention der LTIF ist, die Häufigkeit von Arbeitsunfällen, unfallbedingten Ausfallzeiten und damit verbundene Unfallkosten zu reduzieren sowie zur Unfallthematik insgesamt zu sensibilisieren.
Digitale Transformation und Innovation
Die digitale Transformation ist für den Flughafen München ein strategisch sehr wichtiges Thema, das er aktiv gestaltet und weiterentwickelt. Die Kernthemen der Digitalstrategie umfassen:
Das Innovationsmanagement soll systematisch die Innovationskultur im Unternehmen fördern und die Umsetzung entsprechender Projekte unterstützen. Im Fokus stehen dabei unter anderem neue Dienstleistungen und Produkte, die zum wirtschaftlichen Erfolg sowie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens München beitragen.
Der Flughafen München hat hierfür einen standardisierten Prozess eingeführt und ist zu diesem Zweck strategische Partnerschaften eingegangen. Über verschiedene bereichsübergreifende Quellen und Initiativen werden relevante Markt- und Technologie-Trends erkannt und gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus den Fachbereichen analysiert. Ziel ist es, Trends mit Innovationspotenzial für den Flughafen München strukturiert zu erfassen und daraus Entwicklungsmöglichkeiten für neue Produkte und Services abzuleiten und zu testen.
Prognos, Zukunftsatlas 2025, S. 3
IATA, Air Cargo Market Analysis, 29.10.2025